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Märchen

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Die Überschwemmung von Bogotá

In einer fernen, fernen Zeit, als die Erde noch keinen Mond hatte, lebten auf der Ebene von Bogotá Menschen ohne Kultur als Wilde. Sie kannten weder den Ackerbau noch Gesetz und Ordnung.

Eines Tages erschien bei den wilden Stämmen ein alter Mann, der aus der Ebene im Osten der Cordillere von Chingasa stammte. Er war von einer ganz anderen Rasse als die Wilden von Bogotá und hatte einen langen, dichten Bart. Dieser Greis hörte auf drei verschiedene Namen: Bochica, Nemquetheba und Zuhe. Er nahm sich um die Menschen an und brachte ihnen bei, nicht mehr nackt zu laufen, sondern sich zu kleiden, die Felder zu bestellen und Früchte zu ernten, Hütten zu bauen und in Gemeinschaft zu leben.

Der Alte brachte auch seine Frau mit, die ebenfalls drei Namen hatte: Chia, Yubecayguaya und Huythaca. Leider war diese Frau ebenso schön wie böse. Sie hasste die Menschen jener Gegend, und wenn ihr Gatte etwas erschuf, so zerstörte sie es oft wieder. Durch Zauberei ließ sie den Fluss Funzha so ansteigen, dass er das ganze Tal von Bogotá überschwemmte. Durch diese Flut ertranken die meisten der Menschen, die dort lebten, und nur wenige konnten sich auf die Gipfel der umliegenden Berge retten. Als das der Alte sah, wurde er sehr zornig auf seine Frau. Er verjagte sie von der Erde und bannte sie an den Himmel. Seit der Zeit hat die Erde den Mond, der in der Nacht leuchtet.

Der Greis Bochica aber wurde von Mitleid mit den Menschen ergriffen, die im Hochgebirge leben mussten; er zerschmetterte die Felsen, die das Tal von Bogotá auf der Seite von Canoas und Tequendama einschlossen, so dass durch diese Öffnung die Wassermassen abfließen konnten.

Dann führte er die zerstreuten Menschen wieder zusammen, baute ihnen Häuser und Städte, lehrte sie den Kult der Sonne, ernannte ihre Oberhäupter, je einen für die weltliche und für die geistliche Macht.

Dann zog sich der Greis unter dem Namen Idacanzas in das heilige Tal von Iraca zurück, wo er als Eremit viele tausend Jahre lebte.