Der Spreewald ist sicherlich fast jedem Deutschen ein Begriff, und wenn es nur von den berühmten Gurken ist, die es in gut sortierten Supermärkten zu kaufen gibt – und die mit Abstand am besten schmecken sollen. Dass der Name auch für eine Region in Deutschland steht, wissen ebenfalls viele. Doch dann hört es oft schon auf. Dabei ist der Spreewald eine der interessantesten Regionen dieses Landes, was auch daran liegt, dass ihm immer etwas Dunkles, Mystisches anhaftet. Auch die ganz eigenen Bräuche haben daran ihren Anteil. Ihnen wollen wir uns hier etwas genauer widmen.
Warum ist der Spreewald so einzigartig?
Aus vielen kleinen Fließen (sie heißen wirklich so, nicht „Flüsse“!) entspringt im östlichen Sachsen zwischen Bautzen, Görlitz und Weißwasser die Spree. Sie verläuft entlang der kleinen Stadt Spremberg in Brandenburg, fließt durch Cottbus, breitet sich fächerartig zwischen Burg/Spreewald, Vetschau, Lübbenau und Lübben aus, durchquert Berlin und mündet anschließend westlich von Berlin in die Havel.
Durch den fächerartigen Verlauf zwischen den erwähnten Orten konnte sich eine Form der Natur entwickeln, die in dieser Art und Weise nirgendwo in Europa zu finden ist. Hochwälder bieten hier einen optimalen Schutz für seltene Pflanzen- und Tierarten, und viele kleine und große Flussarme der Spree machen das Gebiet zu einem Biotop. Das Schöne daran ist, dass diese Natur, diese Idylle mit dem typischen Kahn, einem Paddelboot, dem Fahrrad oder per Fuß erlebt und entdeckt werden kann. Und wer Ruhe sucht, wird mit einem eigenen Haus oder Ferienhaus im Spreewald ganz sicher glücklich.
Spreewaldtypische Bräuche
Nicht nur die atemberaubende Natur ist es, die den Spreewald so faszinierend macht, es sind auch die Bewohner. Ein einzigartiger Schlag Mensch, sehr traditionsbewusst und vielleicht auch etwas eigenwillig. Die gelebten Traditionen bringen es mit sich, immer wieder uralte Bräuche zu feiern. Einige davon möchten wir im Folgenden etwas näher vorstellen:
Die Woklapnica
Alljährlich um den Dreikönigstag, also um den 6. Januar herum, finden sich in einigen Spreewalddörfern die Bürger zu einer Dorfversammlung ein, der sogenannten Woklapnica. Dieser Brauch wurde bereits im vergangenen Jahrhundert gepflegt und hat sich bis heute gehalten. Gingen früher nur Männer zur Woklapnica, sind heute auch Frauen dabei. Der Versammlung liegt ein historisches Ritual zugrunde: Zu Beginn wird zunächst der Verstorbenen des letzten Jahres gedacht, anschließend geben die Bürgermeister einen Rechenschaftsbericht ab und gewähren einen Ausblick auf die Vorhaben des neuen Jahres. Im Hauptteil sprechen die Einwohner dann alle Probleme an, die sie bewegen. Zum Schluss stellen sich Neubürger vor und kaufen sich symbolisch mit Snacks und Getränken in die Dorfgemeinschaft ein.

Fastnacht / Austreiben des Winters mit bunten Trachten
Im Spreewald ist es üblich, jedes Jahr im Februar den Winter zu vertreiben. Dabei ziehen buntgeschmückte Paare in spreewaldtypischer Tracht mit Gesang und Musik durch die Ortschaften. Sie besuchen dabei Gaststätten und Altenheime, aber auch die Höfe vieler Eigenheimbesitzer. Die hier getragenen Trachten werden von den Frauen im Winter angefertigt, dabei besticken sie die Tücher und Stoffe der Hauben äußerst kunstvoll. Zusätzlich wird zur Fastnacht eine weiße Schürze getragen. Die Tracht erinnert durch ihre freundlichen Farben an Frühling und Sommer.
Das Osterfeuer
In der Spreewaldregion wird zu Ostern eine besondere Tradition gepflegt: das Osterfeuer. Mit diesem soll den bösen Geistern der Garaus gemacht werden. An der Errichtung dieses Feuers beteiligt sich meist das ganze Dorf, es werden Gehölze gesammelt und diese auf einer Wiese oder einem Acker zu einem großen Haufen zusammengetragen. Pünktlich zur Geisterstunde von Sonnabend zu Ostersonntag, also um null Uhr, wird dann das Feuer unter den Augen aller Beteiligten und zahlreichen Schaulustigen entfacht.
Wer besonders viel Mut beweist und einen Sprung mit seiner Liebsten über diese Flammen wagt, dem soll laut Überlieferung ein langes und gemeinsames Leben in Glück und Zufriedenheit bevorstehen. Allerdings wagen diesen Sprung immer weniger Mutige, da ein Osterfeuer längst nicht mehr mit dem kleinen Lagerfeuer im heimischen Garten vergleichbar ist – die Flammen schlagen oft 10 Meter und höher in den Nachthimmel. Von einem erhöhten Punkt aus lassen sich in dieser Nacht viele kleine und große Feuer beobachten. Natürlich ist für den Brandschutz stets gesorgt, da sich die heimische freiwillige Feuerwehr selbst an den Festlichkeiten beteiligt.
Nach dem Feuer ziehen viele junge Menschen in kleinen Gruppen umher und treiben traditionell allerhand Schabernack. So werden z. B. Hoftore ausgehangen und zu einem entfernten Gehöft „verschleppt“. Am nächsten Morgen lassen sich dann dessen Besitzer bei der Suche beobachten. Eine Freude für den, der nicht betroffen ist, doch die Tradition will schließlich bewahrt werden!
